Ein validiertes vierstufiges Schema zur Sputumfarbe kann helfen, den Grad der Atemwegsinflammation bei Bronchiektasen-Erkrankung einzuschätzen. Ob die Sputumfarbe auch weitergehend über die Krankheitsschwere und klinische Endpunkte Auskunft geben kann, sollte eine Auswertung der Forschungsgruppe European Bronchiectasis Registry (EMBARC) zeigen.

Stefano Aliberti vom IRCCS Humanitas Research Hospital in Pieve Emanuele, Italien, und Koautor*innen führten auf Basis des Registers in 31 Ländern eine prospektive Beobachtungsstudie durch. Ausgewertet wurden die Patient*innen im Register, die spontanes Sputum produzieren konnten. Bei Einschluss in das Register und bei jeder Folgevisite wurde die Sputumfarbe mit der Sputumfarbkarte nach Murray (2009) bestimmt. Als wichtige Endpunkte legten die Forschenden die Häufigkeit von Exazerbationen, stationären Behandlungen wegen schweren Exazerbationen und die Mortalität innerhalb eines 5-Jahreszeitraums fest.

Ergebnisse

Die Auswertung umfasste Angaben von 13.484 Patient*innen. Ein stärker purulentes Sputum war mit einer niedrigeren Einsekundenkapazität (FEV1), einer schlechteren Lebensqualität, einer ausgeprägteren bakteriellen Infektion und einem höheren Bronchiektasen-Severity-Index (BSI) assoziiert. Es zeigte sich eine ausgeprägte Assoziation von Sputumfarbe und dem Risiko für Exazerbationen im Verlauf.

Wurde die Gruppe der Patient*innen mit mukösem Sputum als Referenzgruppe herangezogen, war schon bei mukopurulentem Sputum das Exazerbationsrisiko signifikant erhöht (Inzidenzratenverhältnis [IRR] 1,29; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,22–1,38; p<0,0001). Noch deutlicher war die IRR erhöht bei purulentem Sputum (IRR 1,55; 95% KI 1,44–1,67; p<0,0001) und bei stark purulentem Sputum (IRR 1,91; 95% KI 1,52–2,39; p<0,0001).

Die Hospitalisierungsrate wegen schwerer Exazerbation war ebenfalls positiv mit der Sputumfarbe assoziiert. Die Verhältnisrate (RR) lag im Vergleich zur Referenzgruppe bei mukopurulentem Sputum bei 1,41 (95% KI 1,29–1,56; p<0,0001), bei purulentem Sputum bei 1,98 (95% KI 1,77–2,21; p<0,0001) und bei stark purulentem Sputum bei 3,05 (95% KI 2,25–4,14; p<0,0001).
Das Mortalitätsrisiko stieg mit jeder Stufe der Sputumpurulenz um 12% an (Hazard Ratio 1,12; 95% KI 1,01–1,24; p=0,027).

 

Fazit:

Die Sputumfarbe ist bei Patient*innen mit Bronchiektasen-Erkrankung ein einfacher, nicht invasiver inflammatorischer Biomarker für die Krankheitsschwere und das Risiko zukünftiger Exazerbationen, schwerer Exazerbationen mit stationärer Behandlung und Mortalität. Die Autor*innen betonen, dass die Sputumfarbe auch dann eine gute Risikostratifizierung erlaubte, wenn für die Schwere der Erkrankung und vorangegangene Exazerbationen adjustiert wurde.

Quelle:

Autorin Studienreferat: Friederike Klein, München