Bedeutung von mukoaktiven Substanzen bleibt unklar
Leitlinienempfehlungen zur Bedeutung der Therapie mit mukoaktiven Substanzen bei Bronchiektasen-Erkrankung sind uneinheitlich und der Einsatz dieser Wirkstoffe ist regional sehr unterschiedlich. Es fehlt eine belastbare Evidenz für den Effekt und die Sicherheit dieser Therapien. Die CLEAR-Studie sollte mehr Evidenz liefern.
Das Forschungsteam CLEAR um Judy M. Bradley vom Queen’s University Belfast rekrutierte für die offene, randomisierte Studie im 2×2 faktoriellen Design Patient*innen mit Bronchiektasen mit anderer Ätiologie als einer Mukoviszidose, die häufig pulmonale Exazerbationen aufwiesen und täglich Auswurf hatten. Rauchende und Personen, die kürzlich bereits mukoaktive Behandlungen erhalten hatten, wurden ausgeschlossen.
Die Studie musste in der COVID-19-Pandemie unterbrochen werden und das ursprüngliche Rekrutierungsziel wurde angepasst. Insgesamt erhielten 288 Teilnehmende eine Standardtherapie nach den Leitlinien der Britischen Thoraxgesellschaft inklusive Atemtherapie und randomisiert eine von drei mukoaktiven Therapien:
- 6%ige hypertone Kochsalzlösung über einen Vernebler (n=73),
- 6%ige hypertone Kochsalzlösung über einen Vernebler plus Carbocystein (750 mg oral dreimal täglich für 8 Wochen, danach 750 mg zweimal täglich),
- Carbocystein (Dosierung wie oben)
oder keine weitere Therapie.
Verglichen wurden nicht die einzelnen Gruppen, sondern die Gruppen mit hypertoner Kochsalzlösung (alleine oder in Kombination mit Carbocystein) mit denen ohne hypertone Kochsalzlösung (Carbocystein oder keine mukoaktive Substanz zusätzlich zur Standardtherapie) sowie Gruppen mit Carbocystein (alleine oder in Kombination mit hypertoner Kochsalzlösung) mit denen ohne (nur hypertone Kochsalzlösung oder keine weitere Therapie zur Standardtherapie). Primärer Endpunkt der Studie war die Zahl pulmonaler Exazerbationen über einen Zeitraum von 52 Wochen hinweg.
Ergebnisse
In den Vergleichen der Gruppen mit und ohne hypertone Kochsalzlösung und mit und ohne Carbocystein konnten keine statistisch signifikanten Behandlungseffekte nachgewiesen werden. Die mittlere Zahl bestätigter pulmonaler Exazerbationen über den 52-wöchigen Studienzeitraum betrug über beide Gruppen mit hypertoner Kochsalzlösung hinweg 0,76 (95% Konfidenzintervall [KI] 0,58–0,95), über beide Gruppen ohne hypertone Kochsalzlösung hinweg 0,98 (95% KI 0,78–1,19). Die adjustierte Differenz zwischen beiden Gruppen-Mittelwerten betrug -0,25 (95% KI -0,57 bis 0,07; p=0,12).
Über beide Carbocystein-Gruppen hinweg betrug die mittlere Exazerbationszahl über 52 Wochen 0,86 (95% KI 0,66–1,06), über beide Gruppen ohne Carbocystein hinweg 0,90 (95% KI 0,70–1,09). Der adjustierte Mittelwertunterschied lag hier bei -0,04 (95% KI -0,36 bis 0,28; p=0,81).
Die Gruppenvergleiche sekundärer Endpunkte wie die krankheitsspezifische Lebensqualität, die Zeit bis zur nächsten Exazerbation oder die Tage mit Antibiotikatherapie ergaben ebenfalls keine statistisch signifikanten Unterschiede. Unerwünschte Ereignisse waren in den Gruppen ähnlich häufig.
Die Zahl der Teilnehmenden war zu klein für Subgruppenvergleiche beispielsweise der Patient*innen mit und ohne bakterielle Besiedelung oder nach dem Sputumtyp. Die Autor*innen erläutern, dass für solche Subgruppenanalysen, die klinisch relevant sein könnte, größere Studien durchgeführt werden müssen.
Fazit:
Hypertone Kochsalzlösung alleine oder in Kombination mit Carbocystein reduzierte nicht die mittlere Zahl pulmonaler Exazerbationen im Vergleich zu Carbocystein alleine oder keiner weiteren Therapie. Das galt auch für den Vergleich der Gruppen mit Carbocystein alleine oder in Kombination mit hypertoner Kochsalzlösung und den Gruppen mit hypertoner Kochsalzlösung oder keiner weiteren Therapie als der Standardtherapie. Ein Vergleich der Gruppen mit und ohne mukoaktive Substanz fand nicht statt.
Quelle:
Autorin Studienreferat: Friederike Klein, München