Mehr Atemtherapie bei Bronchiektasen-Erkrankung
Nationale und internationale Leitlinien empfehlen bei Bronchiektasen-Erkrankung Maßnahmen zur Verbesserung der Atemwegs-Clearance, auch wenn die Evidenz dafür nur mäßig ist. Wie häufig in Europa solche Maßnahmen bei Bronchiektasen angewendet werden, ist unklar. Das Register European Multicentre Bronchiectasis Audit and Research Collaboration (EMBARC) bot die Datengrundlage für eine entsprechende Analyse.
Ein internationales Forschungsteam um Arietta Spinou vom King’s College London führte anhand von EMBARC eine prospektive Beobachtungsstudie durch, um den Einsatz der Atemtherapie bei Menschen mit Bronchiektasen-Erkrankung in verschiedenen europäischen Ländern zu untersuchen und die Faktoren, die den Einsatz dieser Maßnahmen beeinflussen, zu analysieren. Basis waren Angaben aus den Jahren 2015 bis 2022 aus EMBARC. Erfasst wurden verschiedene Optionen des Managements der Atemwegs-Clearance wie physiotherapeutische Übungen, Devices und der Einsatz mukoaktiver Wirkstoffe.
Ergebnisse
Es konnten Angaben von 16.723 Personen mit Bronchiektasen-Erkrankung aus 28 Ländern analysiert werden. Das mittlere Alter lag bei 67 Jahren und der Anteil von Frauen war mit 61% höher als der der Männer. 72% der Teilnehmenden berichteten über täglichen Auswurf.
Maßnahmen zur bronchialen Sekretclearance führten 52% der Personen regelmäßig durch. Gegenüber denjenigen, die keine Atemtherapie anwendete, waren diese Patient*innen tendenziell schwerer erkrankt: Sie wiesen mehr Symptomen und ein höheres tägliches Sputumvolumen auf, waren häufiger mit Pseudomonas aeruginosa besiedelt und hatten häufiger 3 und mehr Exazerbationen im vergangenen Jahr gehabt.
Die häufigste angewendete Atemphysiotherapie war die „Active Cycle of Breathing Technique“ (ACBT; 28%) gefolgt von regelmäßigen Übungen (9,3%), posturaler Drainage (8,0%), autogener Drainage (6,5%) und assistiertem Abhusten (3,5%). 16,4% verwendeten bei der Atemtherapie Devices. Mukoaktive Substanzen setzten 28,0% der Personen ein.
Es zeigte sich eine große geographische Heterogenität. Atemtherapie wurde am häufigsten in der Ukraine, und den skandinavischen Ländern eingesetzt, wobei in den Ländern unterschiedliche Präferenzen für verschiedene Techniken zu beobachten waren. Deutschland landete bei den Atemtherapien im Mittelfeld. Devices und mukoaktive Substanzen wurden in Deutschland dagegen häufiger als im Mittel aller Länder eingesetzt.
Die von Leitlinien empfohlene Schulung von Patient*innen mit Bronchiektase-Erkrankung bei einem Atemphysiotherapeuten war in ganz Europa wenig verbreitet und in Osteuropa am niedrigsten. Wenn überhaupt wurden schwer Erkrankte dorthin überwiesen. Das deutet auf einen reaktiven und nicht proaktiven Ansatz zur Vermeidung eines Krankheitsprogresses hin, kritisieren die Autor*innen.
Fazit:
Nur jeder Zweite mit Bronchiektasen-Erkrankung führt in Europa eine Atemtherapie durch. Verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung der Sekretclearance sind in vielen Ländern nicht breit zugänglich. Die Autor*innen rufen zu einem Umdenken auf. Die Atemtherapie kann Exazerbationen verringern und damit potenziell den Antibiotikaeinsatz reduzieren, die Symptomlast verringern und die Lebensqualität verbessern. Es wird dringend mehr Evidenz für diese Therapiemodalität benötigt.
Quelle:
Autorin Studienreferat: Friederike Klein, München